Die neuen Einwegpfand-Regelungen und ihre Auswirkungen auf den Verpackungsmarkt


Seit wenigen Tagen müssen neben den Einweg-Wasserflaschen auch weitere Getränkemarken ihre Produkte in Deutschland auf Einwegpfand umgestellt haben. Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Verpackungsmarkt und die Sortierquoten. Welche Entwicklungen wir in den nächsten Jahren sehen werden, welche Auswirkungen das auf Entsorgungs-Lizenzgebühren und den Verpackungsmarkt hat, worauf Sie achten sollten und worüber wir uns wundern werden.


Seit Juli 2021 steht fest: Produzenten von Säften und Getränken, Smoothies, Tees, Energydrinks und einiger anderer Getränke müssen ab spätestens Januar 2022 ihre PET-Einwegflaschen als Einwegpfand-Flaschen anbieten. Ab 2024 werden dann auch Kaffee- und Milchgetränke davon betroffen sein. Welche Auswirkungen wird das auf die Verpackungsbranche haben? Es wird mit etwa 80.000 bis 90.000 Tonnen Verpackungsmaterial mehr gerechnet, die davon betroffen sind, das entspräche etwa 4 bis 5 Prozent der gesamten lizensierten Menge an Leichtverpackungen in 2020 und 2021.


Die Folgen sind weitreichend, nicht nur deutlich mehr Pfandflaschen werden durch die Rücknahmeautomaten ihren Weg zum Recycling finden. Auch andere Auswirkungen werden sichtbar werden. Hier einige Aspekte, die wir beobachten werden:


1. Bisher wurde diese Neuigkeit nur sehr verhalten gegenüber den Verbrauchern kommuniziert. Viele wissen noch gar nichts von ihrem Glück und achten nach Jahren der Gewohnheit gar nicht auf das Pfandsymbol. Das wird dazu führen, dass viele Flaschen anfangs gar nicht in den Pfandkreislauf zurück gelangen. Das dient vor allem dem Pfandpool durch den sogenannten Pfandschlupf bzw. den Händlern und Abfüllern. Gleichzeitig gibt es wiederum ein vermutliches kurzzeitiges Eldorado für die Pfandsammler, bis der Verbraucher sich an die neue Situation gewöhnt hat – es sei ihnen gegönnt. Bei heute schon kontinuierlich etwa 2 bis 5 Prozent Pfandschlupf (Schätzungen des NABU und


des Umweltbundesamts) für Einwegpfandflaschen ist die Tragweite aber offensichtlich. Zum Start des Einwegpfandes für Wasserflaschen wurden etwa 25 Prozent Pfandschlupf seitens des NABU geschätzt. Offizielle Zahlen der Deutschen Pfand Gesellschaft sind hierzu leider nicht verfügbar.


2. Die Recyclingquote für Kunststoffe wird dadurch deutlich steigen. Denn die meisten der Flaschen, die jetzt in den Pfandkreislauf gelangen, waren vorher nicht oder sehr schwer zu recyceln oder wurden nicht aussortiert und verbrannt – oder im schlimmsten Fall exportiert, wie der Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung eindrucksvoll belegt. Der pozentuale Anteil der aussortierten und recycelbaren Leichtverpackungen aus Kunststoff erhöht sich somit unweigerlich um etwa 5 bis 6 Prozent.


3. Die Menge an PET-Rezyklat aus Deutschland wird steigen, da die neuen bepfandeten Einweg-Flaschen durch die getrennte Sammlung auch zu gut einsetzbarem Rezyklat für Food-Verpackungen verarbeitet werden. Die Menge an rPET aus Flaschen wird somit um etwa 20 Prozent steigen. Ob dieses Rezyklat dann im Rahmen neuer Getränkeflaschen zum Einsatz kommt – abhängig von der Rezyklat-Qualität, Verschmutzungs- und Verfärbungsgrad – oder wie bisher auch stark für Textilien oder andere Produkte, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung bleibt, dass PET-Kreisläufe weiter geschlossen werden und Flaschen zukünftig noch stärker aus PET-Rezyklat hergestellt werden.


4. Schon 2018 haben wir unsere Kunden darauf hingewiesen, dass der Preis für PET-Rezyklat aufgrund der hohen Nachfrage stark steigen wird. Der Preis für PET-Rezyklat wird nun sinken – dies kommt einerseits durch die höher verfügbare Menge an rPET, andererseits kommen aktuell auch immer mehr Länder auf den Geschmack, Wasser-PET-Flaschen mit Pfand zu belegen oder eine freiwillige Rücknahme bzw. Sammlung zu organisieren (wie z.B. in der Schweiz). Bisher war PET-Rezyklat wegen der hohen Nachfrage sogar teurer als Virgin PET-Material. Die getrennte Sammlung von PET-Flaschen über Pfand oder freiwillige Maßnahmen wird sich durch das erfolgreiche Beispiel in Deutschland auch in den anderen Ländern durchsetzen. Die Einführung von PET-Einwegpfand wird sich ausweiten, um die Kreislauffähigkeit voran zu treiben und die EU-Vorgaben zu erfüllen.




5. Der Preisaufschlag für rPET gegenüber frischem PET-Material hat auch zu Verwerfungen geführt. So wurde frisches PET-Material auch als PET-Rezyklat verkauft, was dem Lieferanten eine höhere Marge einbrachte und für den Anwender nicht nachvollziehbar war. Je nach Absinken des PET-Rezyklatpreise kann diese betrügerische Praxis gegebenenfalls in Kürze wieder unrentabel werden, wenn die verfügbare PET-Rezyklatmenge zunimmt und der Preis für rPET sinkt - im optimalen Fall unter den Preis für Virgin PET.


6. Die Dualen Systeme werden weniger Einnahmen haben, weil die Einweg-Pfandflaschen nicht mehr lizensierungspflichtig sind. Ab 2024 fehlen dann auch andere Getränkeverpackungen, die unter die Einweg-Pfandpflicht fallen, im Sammel- und Sortiersystem. Fraglich wird sein, ob dann diese aufgebauten und neue entstehenden Kapazitäten und die Betreiberkosten der Sortieranlagen durch den Aufkauf ausländischen Verpackungsabfalls oder durch höhere Gebühren ausgeglichen werden. Wenn neben der EU-Tax von 800 € pro Tonne für nicht recycelbare Kunststoffverpackungen zusätzlich noch eine Bonus-Malus-Regelung im Dualen System greifen soll, wie sie aktuell diskutiert wird, dann könnte diese Kostenschere noch deutlicher zum Tragen kommen. Nicht recycelbare Kunststoffverpackungen werden dann rein rechnerisch dramatisch höhere Lizenzgebühren haben müssen, um die Sortierkosten, die auf die Gesamtmenge an lizensierungspflichtigen Kunststoffen verteilt wird, stabil decken zu können.

Diese Effekte werden alle noch deutlich verstärkt, wenn recycelbare 'Mono'-Faserverpackungen mit geringen Fremdstoffen von unter 5 Prozent und Mehrweg-Lösungen - wie wir sie seit Jahren konzipieren und forcieren - in den nächsten Jahren verstärkt auf den Markt kommen.


Die Verpackungsbranche steht also vor großen Umwälzungen, wie schon das relativ kleine Beispiel des neuen Einwegpfandes zeigt. Welche Konsequenzen in naher Zukunft aus den Umwälzungen für Sie und die Branche folgern, zeige ich Ihnen in einem nächsten Artikel. Wie Sie sich Ihrer nachhaltigen Verpackungslösungen Schritt für Schritt nähern können, finden Sie in unserem kurzen Leitfaden.




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Welche anderen Auswirkungen sehen Sie noch außer den oben genannten? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Anregungen.